Lesen Sie hier den 2. Teil der Erzählung von Willy Schneider, über seine Amerika-Tournee von 1961

Unterwegs im Taxi wollte ich gerade meutern, weil ich einen Riesenhunger hatte, da packten Gerhard Jussenhoven und Werner Zahn zwei grosse belegte Brote aus. Junge, hat das gut geschmeckt. Trotzdem ich manchmal in der dahin rasenden Taxe meinen Mund nicht finden konnte.

Grosses Halloo, als wir im Park ankamen. Musik und Reden vom Stellvertreter des Deutschen Generalkonsuls, vom Vorsitzenden des RheinischenVereins, des Saarländischen Vereins und noch einiger deutscher Organisationen. Dann kam eine Frau zu mir und überreichte mir mit einer kurzen Rede ein Päckchen, das sie mich gleich zu öffnen bat. Ich tat es und zum Vorschein kamen in einer Blechdose, dreissig frischgebackene Reibekuchen. Gerhard und ich haben gleich einige unter dem Jubel der Anwesenden versucht.

Danach gingen noch einige Reden hin und her und nach einer Stunde waren wir froh, uns bei Werner Zahn und Gattin zu hause zu einem Gläschen zusammensetzen zu können. Am Samstag sind wir morgens nur kurz in die Stadt, haben eine Kirche besucht und sind zum Essen gegangen. Es gab für jeden ein Riesenbeefsteak, das eigentlich für drei gereicht hätte.

Dann konnten wir uns ein paar Stunden ausruhen und am Abend ging es zum Konzert in das Ashland-Auditorium. Es wurde ein ganz herrlicher Abend. Hunderte von Zuhörern standen am Schluss vor dem Podium. Eine Frau schenkte mir spontan ihre Ohrringe. Einen ganzen Haufen Ein- und Fünfdollarscheine mußte ich unterschreiben und ungefähr eintausend Autogramme geben. Es wurde am laufenden Band fotografiert, sodass ich einmal die Fotografen bitten musste auszusetzen, da mir vor lauter blitzen pechschwarz vor den Augen war und ich nicht mehr sehen konnte, mit wem ich sprach. Denn es kamen auch wieder viele Leute aus Köln, Düsseldorf, Solingen und vielen Städten des Rheinlandes und Westfalen, die uns alle die Hände drücken und ein paar Worte mit uns sprechen wollten. Es waren auch viele Volksdeutsche und Exilungarn dabei.

Um drei Uhr lagen wir glücklich im Bett und um neun Uhr schellte der Wecker, denn um 11 Uhr 30 hatten wir ein Lifeinterview in Deutscher Sprache in Werner Zahn`s Studio bei der Paramount. Es war eine Wunschsendung bei der die Wünsche per Telefon ankamen. Nachdem durchgesagt worden war, dass wir im Studio waren, musste ich eine lange Zeit das Telefon bedienen und die Wünsche der Zuhörer sammeln. Danach hatten wir so viele Wünsche gesammelt, dass die im Studio noch bis in`s neue Jahr senden konnten.

Mittags haben wir Im Goldenen Ochsen, einem deutschen Lokal, Sauerbraten mit Kartoffelklössen gegessen. Anschliessend fuhren wir zum Planetarium und auf das Gebäude der Getreidebörse, so an die 250 Meter über Chicago. Zu einem Besuch des Gangsterviertels reichte die Zeit nicht mehr.

Von der Getreidebörse geht unsere Fahrt in schnellem Tempo zum deutschen Viertel von Chicago, wo ich im Schallplattenladen des Herrn Holz eine Autogrammstunde gebe, bei der ich nur Schallplatten unterschrieben habe. Leider habe ich nicht gezählt wie viele es waren, aber es muss schon eine schöne Menge gewesen sein, denn Mr.Holz machte ein fröhliches Gesicht. Es kamen zu dieser Autogrammstunde auch Farmer mit ihren Familien von 80 bis 100 Meilen weit hergefahren und wir mussten wieder viel von Deutschland erzählen.

Am Abend hatte ich noch ein kleines Rundfunkinterview für eine deutsche Station und Gerhard und ich haben auch noch Wünsche für Weihnachten und Sylvester eingesprochen. Danach hatten wir noch ein zwei schöne ruhige Stunden bei Werner Zahn und seiner Frau Susann und um 24 Uhr waren wir wieder in unserem Hotel.

Am anderen Morgen trieb es uns schon um 6 Uhr 30 aus den Federn, denn es ging wieder heim nach hause. Nach dem Frühstück und einem kleinen Spaziergang vor unserem Hotel, fahren wir um 10 Uhr 30 zum Flughafen O`Hara, von wo aus unsere Maschine um 12 Uhr nach New York startet.

Um 14 Uhr sind wir bereits in New York, aber die Maschine nach Zürich hat über 2 Stunden Verspätung. Die Zeit bis zum Abflug vergeht schnell, da wir wieder nette Gesellschaft haben. Die Herren Buchweitz, Oettgen, Schoeps, Grein und Frau Brell sind alle gekommen. Herr Baker, einer der besten Konditoren New York`s kommt auch noch und bringt eine Auswahl seines Gebäck`s. Die SWISSAIR versorgt grosszügig die ganze Gesellschaft mit Getränken und Sandwiches.

Es werden noch viele Reden geschwungen und auf ein Wiedersehen im kommenden Jahr angestossen und dann bringen uns alle zur Maschine. Eine gütige Fee von der SWISSAIR hat jedem von uns, also Gerhard und mir, drei nebeneinanderliegende Plätze besorgt, so dass wir uns später ganz schön ein paar Stunden hinlegen können. Ein richtiges Schlafen wird es allerdings nicht, denn schon um 2 Uhr New Yorker Zeit, geht am Horizont die Sonne in wundervollen Farben auf und etwas später taucht unter uns die Küste von Portugal auf.

Wir landen in Lissabon zwischen und vertreten uns die Beine auf der Rollbahn. Nach dem Wiederabflug gibt es ein solides Schweizer Frühstück und unter uns gleiten Portugal und Spanien mit wunderbarer Erdsicht vorbei. Alle hohen Berge, zumal die Pyrenäen, sind tief verschneit. Über Frankreich wird die Bodensicht dann wieder schlechter und in Zürich hüpft unsere Maschine über die Baumwipfel auf die Landebahn.

Nun lag diese lange Strecke wieder hinter uns und der Flug von hier nach Köln erschien uns wie ein Katzensprung. Es war erst   12 Uhr Mittags. Aber der Katzensprung sollte ein Katersprung werden, denn es konnte an diesem Tage keine Maschine in Frankfurt, unserer vorgesehener Zwischenstation, landen.

Kurt Richter rief mich zur Begrüssung in Zürich an um mir zu sagen, dass wir möglichst auf eine Maschine umbuchen sollten, die wegen des überall tief aufliegenden Nebels direkt flog.

Ich konnte auch mit Hanny telefonieren und ich glaube, wir waren beide froh, dass der allergrösste Teil der Reise vorüber war.

Wir buchten nun eine Maschine, die um 17 Uhr nach Köln gehen sollte, aber wegen besagten Nebels erst eine halbe Stunde später startete. Nach einem schönen, ruhigen Flug, landeten wir um 19 Uhr 05 in Wahn und trauten unseren Augen nicht, als wir auf der Rollbahn an der Maschine im Lichte zweier Scheinwerfer ein “Begrüssungskommando” stehen sahen.

Ich hatte meine liebe Not, aus dem Haufen meine Frau herauszufinden, die sich, wie immer, im Hintergrund hielt.

Es wurden wieder einige Begrüssungsworte gesprochen, Blumen überreicht, Hände geschüttelt, fotografiert und so weiter, und so weiter

Es ging durch den Zoll und dann ........waren wir mit lieben Freunden wieder daheim.

 

Willy Schneider  1961