In den  35  Jahren  die ich  bei RTL als  Moderator und Musikredakteur tätig war, habe ich tausende Radiosendungen und über 150 Fernsehsendungen “Heimatmelodie” gemacht.

In vielen dieser Sendungen war Willy Schneider, “Der Sänger vom Rhein”, immer wieder ein gern gesehener Gast.

Sein unverwechselbar schöner Bariton, der es bis in tenorale Höhen schaffte, schenkte uns Lebensfreude und machte uns immer wieder Mut in trüben Stunden.

Diesen, man kann schon sagen “Berufsrheinländer” hörte ich zum erstenmal als Junge in der WDR-Rundfunksendung “Froher Samstagnachmittag”. Immer wenn diese Sendung in den Dreissiger Jahren gegen 14 Uhr begann, waren die Strassen leer gefegt.

Alle sassen am Radio. Mit von der Partie waren damals, so wie ich mich recht erinnere, Jupp Hussels, Paul Henkels, ein Herr Salcher und eine Figur die sich Herrmännchen nannte. Was mich besonders ansprach; in der Sendung tauchte immer wieder der Spruch auf: ”Hür mir op met Mayen”. Ich bin nämlich in Mayen in der Eifel geboren. Was dieser Spruch genau bedeutete, kann ich nicht mehr sagen.

Damals habe ich im Traum nicht daran gedacht, dass ich Willy Schneider später einmal zu meinen Freunden zählen durfte. 1975 lernte ich Willy bei den Aufnahmen zur Heimatmelodie in Lüneburg, persönlich kennen.

Wir verstanden uns sofort und Willy hatte mir da schon das DU angeboten. Dort in Lüneburg bekamen wir, also Willy und ich, die “Hermann-Löns-Ehren-Medaille”, eine Auszeichnung für besondere Verdienste um die Deutsche Volksmusik, die nach dem Heidedichter Hermann Löns benannt ist, überreicht.

Die Idee zu dieser Auszeichnung hatte der Journalist Siegfried M. Pistorius vom Heinrich-Bauer-Verlag in Hamburg, der mit dieser Medaille an den bereits vor über 100 Jahren aufgetretenen Naturschützer Hermann Löns erinnern wollte. Siegfried M. Pistorius erfand auch die Sendung Heimatmelodie, die bis in die 90er Jahre in jedem Jahr einmal  in einer anderen deutschen Grossstadt, mit den Verleihungen der Medaillen, gefeiert wurde.

Und Willy Schneider war immer wieder dabei. So z.B. 1983 als Willy Schneider die “Hermann-Löns-Medaille” in Gold bekam. Weitere Medaillen gingen damals an Heinz Schenk, Karel Gott, Kammersängerin Anneliese Rothenberger, Kammersänger Prof. Heinz Hoppe und  Kammersänger Rudolf Schock.

1984 erhielt WIlly Schneider dann die “Hermann-Löns-Medaille” in Platin. 1985 standen wir wieder zusammen auf der Bühne. Willy bekam die “Robert-Stolz-Büste” und diesmal bekam ich die “Hermann-Löns-Medaille” in Platin.

1987 in der Sporthalle in Hamburg. Willy Schneider hatte alles, was man an Auszeichnungen so bekommen konnte erhalten. Aber man wollte ihn unbedingt im Programm haben und so wurde er als Stargast aufgeführt.

Als Willy das las, sagte er zu mir: “wat es dat dann?, ich bin doch keine Star”. Dann sein Auftritt. Er sang und sang und immer wieder musste er Zugaben geben. Als er endlich von der Bühne durfte, habe ich ihn an der Treppe empfangen und ihm gratuliert: “Du hast regelrecht abgeräumt, du hast den meisten Applaus bekommen”, darauf Willy ,” Och nä, wirklich?, dat es mer aber peinlich wegen de Kollegen”. Er war ja so liebenswert.

So um 1985 war er in meiner Fernsehsendung “Heimatmelodie” im Brühler Phantasialand. Viele Sänger kamen mit Ihrem Auto und darunter ganz dicke Schlitten. Willy, bescheiden wie immer, kam mit der Eisenbahn, sass geduldig im Warteraum und kämpfte wie immer mit seinem Lampenfieber. Ich sass neben ihm. Plötzlich sagte er: “Edy, meinste et jet heute jut”? Ich versuchte ihn mit dem Rat zu trösten, den mir mal Peter Frankenfeld gab, als ich 1959 zum erstenmal vor der Fernsehkamera stand.

Ich ging damals hinter der Bühne nervös hin und her. Frankenfeld kam mir entgegen und meinte: “Na, Lampenfieber?”  “Und wie” “Ich habe das auch” sagte er “aber das ist wichtig, denn wenn das Lampenfieber einmal aufhört, sollte man den Beruf an den Nagel hängen” Darauf antwortete mir Willy Schneider: “Na dann!”

Dabei hat er etwa 800 Titel aufgenommen und aber Millionen Platten verkauft.

Nach solchen Auftritten hat er schon mal einige Tage später angerufen und sich noch mal bedankt, dass er dort auftreten durfte. Wo gibt es das heute noch?

Willy Schneider war für mich der Beweis, dass in der Bescheidenheit die wahre Grösse liegt. Wenn Willy erklärte .  “Mein Anliegen ist es, den Menschen Freude zu bereiten”, dann kam das von Herzen und das spürte man.

Und so klangen auch seine Lieder, in denen er den Wein, die Liebe im allgemeinen und im besonderen, besang. Nämlich zur Heimat, zum Nächsten, zur Natur und überhaupt. Sein Herz war immer dabei und er wusste auch, alle Tage ist kein Sonntag. Schade, dass man ihn so selten im Radio hört. Er hätte es verdient.

Genau so könnte ich mir in Köln einen “Willy-Schneider-Platz” vorstellen.

Den Willy da oben, würde es bestimmt freuen, vielleicht würde er aber auch sagen: ”dat wör doch nit nötig jewesen”........

Edy Hildebrandt Luxemburg                                                                                                                                                    Moderator und Musikredakteur