Willy Schneider hat mich durch meine Kindheit begleitet wie ein akustisches Leuchtfeuer.

In den Fünfzigerjahren, lange bevor wir zu Hause ein Fernsehgerät bekamen, gehörte  Willy Schneider zu den regelmässigen Radiogästen in unserem alten Philips mit dem berühmten magischen Auge.

Immer werde ich an die endlos langen Sonntagnachmittage mit den ebenso endlos langen Gesprächen der Erwachsenen über alte Zeiten denken.

Ich hielt damals alles, was Willy Schneider sang, für Volksmusik, so vertraut waren mir seine Lieder. Ich versuchte wohl auch schon das ein oder andere Mal ein paar Akkorde auf unserem Harmonium zu imitieren, konnte damals aber natürlich noch nicht ahnen, dass ich zu Willy Schneider irgendwann einen ganz persönlichen Bezug haben würde. Und das kam so:

Als ich 1974 als Moderator zu den “Vier fröhlichen Wellen von Radio Luxemburg” stiess, konnte endlich auch ich selbst ab und zu Willy Schneider in`s Programm heben.

Aber der Bezug sollte noch enger werden: Als ich Ende der Achtziger, inzwischen beim Fernsehen gelandet, mit RTL nach Köln zog, um von dort als Abteilungsleiter Kinderprogramme wie meinen Li-La-Launebär zu senden, kaufte ich ein Haus in Köln-Widdersdorf- zufällig neben Willy Schneiders “Patenkind”, Wilfried Schneider und seinem Goldstück Roswitha.

Mit ihnen freundeten sich meine Frau Bibi (damals Ressortleiterin bei RTL-Television) und ich uns in kürzester Zeit dermassen an, dass die beiden auch schon mal Babysitter bei unserer Tochter Victoria spielten. Merci dafür ! Wann immer ich heute in Widdersdorf vorbeischaue, muss ich mich immer wenigstens für ein paar Minuten an Willy Schneiders Klavier setzen, das die beiden in Ehren halten.

Aber auch das war noch nicht der Höhepunkt meiner Willy-Schneider-Verbundenheit.

Patensohn Wilfried überliess mir, als ich mit meiner Familie nach Luxemburg zog, Willy Schneiders weisse Gartenbank, die im Heim des Sängers auf der Terrasse gestanden hatte.

Und so kam es, dass es in Luxemburg ein “besitzbares” Andenken an den stimmgewaltigen Meister gibt.

Das Erstaunen meiner Gäste mag sich jeder ausmalen, wenn ich sie darüber aufkläre, worauf sie da gerade Platz genommen haben.

Ein Traum aber konnte leider nicht in Erfüllung gehen: Habe ich zwar selbst auch als Texter Gold und Platin an der Wand, unter anderem für den Volksmusikhit “Land im Norden” mit Judith und Mel, hat es das Schicksal doch vereitelt, dass ich Willy Schneider einen Text auf den Leib “schneidern” durfte.

Ich denke gerne an den Star meiner Kindheit und höre schon beim blossen Nennen seines Namens augenblicklich seine volle, warme Stimme, die mich ein Leben lang begleiten wird.

Metty Krings   Luxemburg 

Texter und Moderator